Zyperns Immobilienmarkt im Wandel: Käufer kaufen günstiger ein
Der zyprische Immobilienmarkt hat im zweiten Quartal 2026 einen deutlichen Dämpfer erlebt. Die Zahl der Verträge über Neubau-Wohnungen und -Häuser fiel gegenüber dem ersten Quartal um 42,2 Prozent, der Gesamtwert der Transaktionen sank sogar um 46,6 Prozent. Wer daraus jedoch auf einen kompletten Nachfrageeinbruch schließt, liegt nach einer Analyse von Landbank Analytics falsch, die von der zyprischen Tageszeitung Kathimerini veröffentlicht wurde. Stattdessen zeichnet die Auswertung ein Bild von Käufern, die weiterhin aktiv sind, ihr Budget aber gezielter einsetzen als noch vor einem Jahr.
Die Zahlen wirken auf den ersten Blick dramatisch. Von 2.277 Kaufverträgen im ersten Quartal blieben im zweiten nur noch 1.317 übrig, ein Minus von 960 Abschlüssen. Der Gesamtwert schrumpfte von 748,6 Millionen Euro auf 400,1 Millionen Euro. Auch der Durchschnittswert je Vertrag gab nach, von 328.762 Euro auf 303.808 Euro. Der Median sank um 6,3 Prozent auf 224.850 Euro.
Käufer greifen zu günstigeren Objekten
Interessanter als der Rückgang selbst ist die Verschiebung innerhalb des Marktes. Wohnungen unter 300.000 Euro machten im zweiten Quartal 68,1 Prozent aller Verkäufe aus, ein Plus von 5,5 Prozentpunkten gegenüber dem Vorquartal. Am stärksten legte das Segment zwischen 150.000 und 200.000 Euro zu, sein Anteil kletterte von 21 auf fast 25 Prozent. Das Segment zwischen 300.000 und 500.000 Euro verlor dagegen deutlich an Bedeutung.
Bei Wohnungen sank der Durchschnittswert um 5,5 Prozent auf 262.574 Euro. Bei Häusern fiel er stärker, um 12,7 Prozent auf 501.800 Euro. Erschwinglichkeit ist im zweiten Quartal offenbar zu einem wichtigeren Kaufkriterium geworden als noch zu Jahresbeginn.
Nikosia gewinnt, Limassol verliert relativ
Während Limassol traditionell der größte Markt bleibt, hat die Hauptstadt Nikosia im zweiten Quartal deutlich zugelegt. Ihr Anteil an allen Neubau-Verträgen stieg von 26,7 auf 34,5 Prozent, ihr Anteil am Gesamtwert sogar von 17,1 auf 26,2 Prozent. Limassol musste dagegen einen Rückgang seines Wertanteils von 40,8 auf 32,4 Prozent hinnehmen, bleibt mit 129 Transaktionen aber weiterhin die aktivste Einzelgemeinde der Insel.
Larnaca zeigte sich mit einem Medianwert von 190.000 Euro vergleichsweise stabil. Paphos behielt mit 352.500 Euro den höchsten Medianwert aller Bezirke, verlor aber leicht an Marktanteil. Besonders robust entwickelten sich kleinere Gemeinden wie Agios Dometios, wo die Verkäufe um 22,6 Prozent stiegen, oder Dali mit einem Plus von 15,8 Prozent bei den Transaktionen.
Luxussegment bleibt unbeeindruckt
Am oberen Ende des Marktes lief das Geschäft praktisch unverändert weiter. In Germasogeia wechselten 43 Immobilien im Wert von zusammen 27,6 Millionen Euro den Besitzer, der Durchschnittswert lag bei 640.970 Euro. In Potamos Germasogeias erreichte der Medianwert 600.000 Euro. In Pegeia lag er sogar bei 855.000 Euro, bei einem Durchschnitt von über einer Million Euro. Käufer mit größerem Budget zeigten sich von der allgemeinen Marktabkühlung offenbar unbeeindruckt.
Andreas Christoforides, Gründer und Geschäftsführer von Landbank Group, bringt die Entwicklung auf den Punkt. Die tatsächliche Attraktivität eines Gebiets bemesse sich an einer Kombination aus Verkaufsvolumen, Widerstandsfähigkeit, Medianwert und dem Angebot an Immobilientypen. Genau diese Mischung erklärt, warum manche Gemeinden trotz des Rückgangs sogar zulegen konnten, während andere deutlich schwächelten.
Auf das gesamte erste Halbjahr 2026 gerechnet fällt die Stabilität des Luxussegments noch deutlicher auf. Allein in Germasogeia kamen zwischen Januar und Juni 132 Transaktionen im Gesamtwert von 89,1 Millionen Euro zustande, bei einem Medianwert von 472.500 Euro. Das zweite Quartal war für die Gemeinde also kein Ausreißer nach unten, sondern Teil eines ganzjährig robusten Musters, das sich deutlich vom Rest des Marktes abhebt.
Ausblick für Kaufinteressenten
Für Interessenten aus Deutschland und Österreich liefert die Statistik ein differenziertes Bild. Wer im mittleren Preissegment sucht, findet in Nikosia und in kleineren Gemeinden wie Agios Dometios oder Dali derzeit ein lebendigeres Angebot als noch vor einem Jahr. Wer eher auf Wertsteigerung im Premiumsegment setzt, trifft in Gegenden wie Pegeia oder Potamos Germasogeias weiterhin auf hohe Preise und ungebrochene Nachfrage.
Das zweite Quartal 2026 zeigt damit weniger einen Markt im freien Fall als einen Markt, der sich neu sortiert. Käufer verändern, was sie kaufen und wo sie kaufen, während Erschwinglichkeit zunehmend über die Kaufentscheidung mitentscheidet.
Quelle: Cyprus Property News
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