Zypern verlängert Mortgage-to-Rent-Antragsfrist bis Ende September 2026
Das zyprische Finanzministerium hat die Antragsfrist für das Mortgage-to-Rent-Programm um zwei Monate verlängert. Statt bis Ende Juli können Berechtigte nun bis zum 30. September 2026 Anträge einreichen. Ausschlaggebend war das stark gestiegene Interesse der Bevölkerung in den letzten Wochen vor dem ursprünglichen Stichtag.
Das Programm richtet sich an Kreditnehmer, die ihre Hypothekenraten nicht mehr bedienen können und deren Immobilie als primärer Wohnsitz gilt. Wer die Voraussetzungen erfüllt, überträgt die Liegenschaft an die staatliche Vermögensverwaltungsgesellschaft KEDIPES. Im Gegenzug bleibt man als Mieter in der eigenen Wohnung oder dem eigenen Haus und zahlt eine Miete anstelle der früheren Kreditrate. Für viele Familien ist das die letzte Möglichkeit, einem Zwangsverkauf zu entgehen und trotzdem im vertrauten Umfeld zu bleiben.
Nachfrage hat sich in den Sommerwochen beschleunigt
Das Programm hatte im Mai 2026 neu geöffnet. Zwischen dem 4. Mai und dem 31. Juli gingen 929 Anträge ein. Insgesamt wurden seit Programmbeginn 2023 exakt 4.269 Anträge gestellt. Von diesen wurden 1.211 genehmigt, und 846 Liegenschaften sind bereits an KEDIPES übertragen worden. Dass die Nachfragekurve in den Sommerwochen steil genug war, um das Ministerium zu einer Verlängerung zu bewegen, deutet darauf hin, dass das Programm zunehmend bekannt wird und der Druck bei vielen Haushalten gestiegen ist.
Die Zugangsbedingungen bleiben dabei vollständig unverändert. Wer sich bereits früher für das Programm informiert hat, braucht keine neuen Unterlagen zu beschaffen. Für alle, die bisher gezögert haben, ist die Verlängerung eine echte zweite Chance, denn in der Praxis fehlt es häufig an Zeit und nicht an Bereitschaft, wenn Fristen nahen.
Nur schriftliche Einreichung in den Regionalbüros
Antragsformulare sind online abrufbar sowie in den KEDIPES-Regionalbüros erhältlich. Das Ministerium weist ausdrücklich darauf hin, dass ausgefüllte Anträge ausschließlich in Papierform persönlich bei einem der KEDIPES-Büros eingereicht werden müssen. Eine digitale oder postalische Einreichung ist nicht möglich. KEDIPES unterhält Büros in Nikosia, Limassol, Larnaka, Paphos und Famagusta. Fragen beantwortet das Kundenservicecenter unter +357 22 743400.
Der Vorbehalt gegenüber digitaler Einreichung wirkt anachronistisch, hat aber einen sachlichen Grund. Das Programm erfordert die Prüfung originaler Dokumente, darunter Hypothekenauszüge, Einkommensnachweise und Eigentumsunterlagen. Eine Videokonferenz oder ein eingescanntes PDF reicht dafür nicht aus. Wer weit vom nächsten Büro entfernt wohnt oder beruflich eingeschränkt ist, sollte den Termin nicht auf die letzte Septemberwoche schieben.
Relevanz für den Immobilienmarkt
Auf den ersten Blick ist das Mortgage-to-Rent-Programm eine sozialpolitische Maßnahme. Aus Perspektive des Immobilienmarkts ist es aber auch ein Frühindikator. Wenn fast 850 Liegenschaften in staatliche Verwaltung übergehen und die Warteliste auf über 1.200 genehmigte Fälle angewachsen ist, verändert das mittelfristig das Angebot. KEDIPES vermietet diese Immobilien zunächst an die ehemaligen Eigentümer zurück. Früher oder später wird ein Teil dieser Bestände wieder auf den Markt kommen, sei es durch Verkauf oder durch Auslaufen der Mietvereinbarungen.
Gleichzeitig ist der Umfang des Programms ein Hinweis darauf, dass ein Teil der zyprischen Bevölkerung die gestiegenen Immobilienpreise und Kreditkosten der vergangenen Jahre nicht mehr tragen kann. Der zyprische Hypothekenmarkt läuft überwiegend mit variablen Zinsen, was bedeutet, dass EZB-Zinserhöhungen direkt in die monatlichen Raten einfließen. Wer sein Objekt 2019 oder 2020 finanziert hat, zahlt heute oft 30 bis 40 Prozent mehr pro Monat.
Was Käufer und Investoren daraus ableiten sollten
Für Interessenten aus Deutschland, die in Zypern Immobilien kaufen oder als Kapitalanlage erwerben möchten, ist das Programm kein direktes Instrument. Es betrifft ausschließlich Bestandshypotheken auf Primärwohnsitze zyprischer Haushalte. Als Marktbarometer ist es jedoch aufschlussreich. Die Zentralbank Zypern hat zuletzt mehrfach auf wachsende Finanzierungsrisiken im privaten Sektor hingewiesen.
Wer eine Immobilie auf Zypern finanzieren möchte, sollte die Zinsstruktur des Kredits genau prüfen. Festzinsoptionen sind verfügbar, aber nicht immer günstig. Dazu kommen Kaufnebenkosten, die je nach Kaufpreis, Region und Vertragsgestaltung erheblich variieren und von manchen Käufern unterschätzt werden. Eine sorgfältige Kalkulation vor Vertragsschluss ist keine Option, sondern Pflicht.
Das Mortgage-to-Rent-Programm läuft bis Ende September. Betroffene Haushalte sollten die verbleibende Zeit nutzen und nicht darauf hoffen, dass es nach September weitere Verlängerungen gibt.
Quelle: Cyprus Property News / Finanzministerium Zypern