Zyperns Immobilienmarkt bleibt stark, doch die Probleme wachsen
Auf der diesjährigen Cyprus Property Show in Nikosia zeichneten Branchenvertreter und Regierungsvertreter ein zwiespältiges Bild vom zyprischen Immobilienmarkt. Der Sektor läuft stabil, doch strukturelle Probleme und steigende Kosten drohen die Entwicklung in den kommenden Jahren zu bremsen. Unter dem Titel "Die Gegenwart und Zukunft der Immobilien in Zypern" kamen Vertreter aus Politik, Bauwirtschaft, Ingenieurwesen und Investmentbranche zusammen, um über die Lage des Marktes und seine Herausforderungen zu diskutieren.
Die Zahlen, die auf der Konferenz vorgestellt wurden, zeigen ein gemischtes Bild. Im Jahr 2025 wurden 21.387 Immobilienübertragungen in Zypern registriert, praktisch unverändert gegenüber 2024. Der Gesamtwert dieser Transaktionen stieg dagegen um rund 10 Prozent auf 4,73 Milliarden Euro. Es wechselten also nicht mehr, aber deutlich teurere Immobilien den Besitzer, ein Trend, der sich schon seit einigen Quartalen abzeichnet.
Regierung kündigt neue Bebauungspläne an
Innenminister Konstantinos Ioannou ließ seine Rede durch den Generaldirektor des Innenministeriums, Elikkos Elia, verlesen. Darin bezeichnete er den Immobiliensektor als eng verknüpft mit Wirtschaft, Investitionen, Stadtentwicklung und Lebensqualität. Wohnraum bleibe eine zentrale Priorität der Regierung, die sowohl den Wohnungsbestand erhöhen als auch die Kaufkraft der Bürger stärken wolle. Die Zukunft des Marktes hänge direkt mit der Wohnungspolitik zusammen, so Ioannou. Deshalb arbeite die Regierung an einer Überarbeitung der lokalen Bebauungspläne für die großen Stadtzentren sowie an der sogenannten Policy Statement, dem übergeordneten Rahmenwerk für die Raumplanung.
Heraklis Achniotis, leitender Stadtplaner im Ministerium, sprach von einem entscheidenden Moment für die Planungspolitik der Insel. Die Überarbeitung der Policy Statement, der Lokalpläne für die vier großen Stadtzentren und des Inselplans dürfe nicht als bloße Formalität behandelt werden, sondern müsse strategisch genutzt werden, um Versäumnisse der Vergangenheit zu beheben. Zypern müsse Städte bauen, die auch in zwanzig oder dreißig Jahren noch funktionieren, sagte er und betonte die Bedeutung städtischer Resilienz gegenüber künftigen Krisen.
Auch die staatliche zyprische Grundstücksentwicklungsgesellschaft KOAG kam zu Wort. Direktorin Eleni Symeonidou stellte die Rolle der Organisation sowie mehrere laufende Projekte vor, mit denen der Wohnungsbedarf auf der Insel gezielt gedeckt werden soll.
Ingenieure warnen vor tausenden gefährlichen Gebäuden
Besonders deutlich wurde der Präsident der Ingenieurkammer Etek, Konstantinos Konstantis. Ohne Gegenmaßnahmen könnten sich die derzeit rund 5.000 als gefährlich eingestuften Gebäude innerhalb von fünf Jahren auf 15.000 oder mehr verdreifachen, warnte er. Etek fordert deshalb ein regelmäßiges Prüfsystem für Gebäude, ähnlich der britischen TÜV-Fahrzeuguntersuchung. Ein Teil der Vorschläge, die die Kammer bereits 2023 in einem Memorandum vorgelegt hatte, sei inzwischen umgesetzt worden, doch bei den übergeordneten wohnungspolitischen Zielen bleibe Zypern weiterhin zurück.
Bauwirtschaft klagt über steigende Kosten
Der Verband der großen Investitionsprojekte forderte über Vorstandsmitglied Christos Christou eine umfassende Strategie zur Beschleunigung der Genehmigungsverfahren für strategische Investitionen. Nötig seien zudem ein stabiler steuerlicher und planungsrechtlicher Rahmen, moderne Infrastruktur, wettbewerbsfähige Energiekosten und Zugang zu Fachkräften, ohne die eine wachsende Wirtschaft kaum auskommt.
Auch der Verband der Bauunternehmer Oseok sieht die Branche unter Druck. Generalsekretär Stefanos Pieridis nannte Arbeitskräftemangel, steigende Baukosten, geopolitische Unsicherheit und hohe Energiekosten als zentrale Belastungen. Diese Effekte blieben nicht auf die Bauwirtschaft beschränkt, sagte Pieridis, sondern wirkten sich über die gesamte Entwicklungskette bis hin zu den Endpreisen für Immobilien aus.
Der Verband der Immobilienmakler Skek beschrieb ein zunehmend komplexes Marktumfeld. Vizepräsident Vasilis Artemiou verwies auf geopolitische Spannungen in der Region, internationale Unsicherheit und veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Makler seien längst mehr als Vermittler zwischen Käufer und Verkäufer, sagte er, sie begleiteten Kunden bei einer der wichtigsten finanziellen Entscheidungen ihres Lebens.
Bank of Cyprus setzt auf digitale Hypotheken
Die Bank of Cyprus stellte auf der Konferenz ihre Finanzierungsangebote vor. Theodosis Theodosiou, zuständig für das Privatkundengeschäft, sprach von einem integrierten Ökosystem aus Hypothekenlösungen und digitalen Tools, das Kunden durch den gesamten Kaufprozess begleiten soll. Mit dem neuen Online-Hypothekendienst laufe der Prozess inzwischen einfacher und schneller ab als je zuvor, so Theodosiou.
Am Ende blieb ein Markt, der weiterhin kräftig Umsatz macht, aber zunehmend unter dem Druck von Wohnraummangel, steigenden Baukosten, Fachkräftemangel und einem komplizierten Planungsrecht steht. Für Käufer aus dem Ausland bedeutet das vor allem eines: Wer jetzt in zyprische Immobilien investiert, sollte die angekündigten Reformen bei Bebauungsplänen und Gebäudesicherheit im Blick behalten. Sie werden die Preise, die Bauvorschriften und die Auswahl an verfügbaren Objekten in den kommenden Jahren spürbar mitbestimmen.
Quelle: Cyprus Mail
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