EU-Kommission gibt Kommunen neue Macht gegen Airbnb-Vermietungen
Die Europäische Kommission bereitet ein neues Gesetzespaket vor, das Städten und Regionen erstmals klare rechtliche Werkzeuge gegen Kurzzeitvermietungen wie Airbnb an die Hand gibt. Der sogenannte Affordable Housing Act soll Teil einer größeren Strategie gegen die europaweite Wohnungskrise werden. Auch auf Zypern wird die Debatte genau verfolgt, denn Ferienvermietungen sind längst ein fester Bestandteil des Immobilienmarkts geworden, gerade in den Küstenstädten.
Energie- und Wohnungskommissar Dan Jørgensen machte in Brüssel deutlich, dass kurzfristige Vermietungen nicht die Ursache der Wohnungskrise seien. In einigen der größten Städte und touristischen Hotspots Europas würden sie das Problem allerdings verschärfen, sagte er. Genau diese Beschreibung passt auf Teile Zyperns, wo Limassol und Paphos zu den gefragtesten Zielen für Ferienvermietungen zählen und die Konkurrenz um Wohnraum entsprechend spürbar ist.
Zwei Bausteine für mehr bezahlbaren Wohnraum
Der Gesetzentwurf besteht aus zwei Teilen. Eine EU-Verordnung soll eine einheitliche Methode schaffen, um Gebiete mit sogenanntem Wohnungsdruck zu identifizieren. Ausschlaggebend ist vor allem die Lücke zwischen lokalen Einkommen und den Immobilien- oder Mietpreisen vor Ort. Parallel dazu soll eine Empfehlung der Kommission die Mitgliedstaaten ermutigen, mehr öffentlichen, sozialen und studentischen Wohnraum zu schaffen, anstatt sich allein auf Beschränkungen zu verlassen.
Für Kommunen, die Kurzzeitvermietungen künftig einschränken wollen, gelten strenge Bedingungen. Der Wohnungsdruck muss über mindestens drei Jahre nachweisbar sein, die Maßnahmen müssen verhältnismäßig bleiben und dürfen höchstens fünf Jahre gelten, bevor sie überprüft werden müssen. Brüssel stellt außerdem klar, dass Beschränkungen von Plattformen wie Airbnb den Neubau oder die Sanierung von Wohnraum niemals dauerhaft ersetzen dürfen. Wer glaubt, mit einem einfachen Vermietungsverbot sei das Problem gelöst, liegt aus Sicht der Kommission falsch.
Ein europaweites Muster, das auch Zypern betrifft
Die Kommission verweist auf ein Muster, das sich in immer mehr Mitgliedstaaten wiederholt. Wachstumsstädte und beliebte Urlaubsregionen ziehen Kapital und Touristen an, während Einheimische zunehmend aus dem eigenen Wohnungsmarkt verdrängt werden. Auf Zypern zeigt sich dieses Spannungsfeld besonders deutlich, weil ausländische Käufer inzwischen einen erheblichen Teil aller Immobilienkäufe tätigen und Ferienwohnungen oft gezielt für die kurzfristige Vermietung erworben werden, statt für dauerhaftes Wohnen.
Folgen für den zyprischen Ferienmarkt
Zypern hat erst vor wenigen Wochen eine eigene Debatte über strengere Regeln für Kurzzeitvermietungen in besonders angespannten Gebieten geführt. Die neue EU-Vorgabe würde solchen nationalen Initiativen einen rechtlichen Rahmen geben, an dem sich Behörden orientieren können, ohne dass Regelungen später vor Gericht kippen. Gerade weil ausländische Käufer und Investoren einen wachsenden Anteil am zyprischen Immobilienmarkt ausmachen, dürfte das Thema an Brisanz gewinnen, sobald die Verordnung konkretere Formen annimmt.
Für Eigentümer, die bereits eine Ferienwohnung auf Zypern vermieten oder eine Investition planen, ändert sich vorerst nichts. Der Gesetzgebungsprozess in Brüssel steht am Anfang, und eine nationale Umsetzung würde ohnehin Zeit brauchen, selbst wenn das Europaparlament rasch zustimmt. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte die Wohnungsnot in Europa bereits vor knapp einem Jahr als soziale Krise bezeichnet und politisches Handeln versprochen. Der jetzige Vorschlag ist die erste greifbare Folge dieser Ankündigung.
Jørgensen betonte, dass der Affordable Housing Act keine Einzellösung sei. Investitionen, einfachere Planungsregeln, neues Angebot und der Druck auf den Wohnungsbestand müssten gemeinsam angegangen werden. Für Kommunen und Regionen, die unter akutem Wohnungsmangel leiden, sei das Gesetz trotzdem ein erster konkreter Hebel, mit dem sie rechtssicher handeln können, ohne jedes Mal ein eigenes Gerichtsverfahren zu riskieren.
Der Zeitpunkt kommt nicht zufällig. In vielen europäischen Küstenregionen, darunter auch auf Zypern, ist der Anteil an Zweitwohnungen und Ferienvermietungen in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen. Gleichzeitig klagen Einheimische zunehmend über steigende Mieten und ein schrumpfendes Angebot an langfristig verfügbaren Wohnungen, besonders in Limassol. Sollte Brüssel den Rahmen tatsächlich verabschieden, dürfte die Diskussion über eine strengere Regulierung von Plattformen wie Airbnb auch auf der Insel neuen Schwung bekommen.
Für Investoren bleibt die wichtigste Erkenntnis vorerst simpel: Eine Welle neuer Beschränkungen steht kurzfristig nicht bevor, doch die Richtung in Brüssel ist klar erkennbar. Wer auf Zypern in eine Ferienimmobilie investiert, sollte die Entwicklung auf EU-Ebene im Blick behalten und regulatorische Risiken bei der Standortwahl von Anfang an mit einkalkulieren, statt sie erst zu bedenken, wenn eine Region tatsächlich zum Problemgebiet erklärt wird.
Quelle: Cyprus Property News
Aktuelle Deals auf Zypern: Alle Deals anzeigen